Die Geschichte hinter den Dingen
| Customer | Arolsen Archives |
|---|---|
| Website | www.arolsen-school.org/lernmodul/die-geschichte-hinter-den-dingen/ |
| Tags | Three.js, WebGL, Vue.js, ProcessWire |
Ein Mitgliedsausweis, ein Schlüssel, Fotos, ein Brief: Persönliche Gegenstände können Geschichten erzählen, die in Akten oft verborgen bleiben. Für die Bildungsplattform Arolsen School haben wir ein Lernmodul als Mini Game entwickelt, das Jugendliche über Objekte an die Lebenswege von Menschen heranführt, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden.

Die Aufgabe
Die Arolsen Archives bewahren das weltweit umfassendste Archiv zu den Opfern und Überlebenden der NS-Verfolgung. Ziel war ein digitales Format, das junge Menschen für diese Quellen begeistert, ohne die Ernsthaftigkeit des Themas zu verlieren. Es sollte historische Quellenarbeit mit Ansätzen kultureller Bildung verbinden.
Spurensuche im Raum
Zum Einstieg schweben die Gegenstände frei in einem tiefblauen Raum, gruppiert nach den Menschen, denen sie gehörten. Wählt man eine Person aus, rücken ihre Dinge ins Licht. Jedes Objekt lässt sich nun gewissermaßen in die Hand nehmen: drehen, heranzoomen, von allen Seiten betrachten, auch von hinten.
Auf den Objekten leuchten limettengrüne Punkte. Sie führen zu Hinweisen auf das Leben der Besitzer*innen, manche verstecken sich auf der Rückseite, andere zeigen sich erst beim genauen Hinsehen aus der Nähe. Wer aufmerksam sucht, kann anschließend drei Fragen zur Person beantworten. Mit der letzten richtigen Antwort öffnet sich die Graphic Novel.
Fakt und Fiktion
Die Graphic Novels erzählen die Lebenswege der Verfolgten. Um dem Medium Comic auch digital gerecht zu werden, haben wir eigene Templates konzipiert, die sich dem Bildschirm anpassen: Auf großen Screens erscheinen die Panels gruppiert und lassen sich im Zusammenhang lesen, wie auf einer Comicseite. Auf dem Smartphone folgen sie einzeln aufeinander, sodass jedes Bild die volle Fläche bekommt. Einzelne Comicbilder leucht und lassen sich umdrehen: Auf ihrer Rückseite liegen die Originalquellen und weitere Informationen, auf denen die Geschichte beruht. So wird sichtbar, wie aus Dokumenten eine Erzählung entsteht, und Quellenkritik wird erfahrbar.

Vom Objekt zum digitalen Original
Grundlage sind 3D-Scans der echten Objekte aus dem Archiv, die wir für das Web in Blender optimiert haben. Gebrauchsspuren, Materialien und Texturen bleiben dabei erhalten, Details, die auf einem Foto verloren gingen. Für uns war das mehr als ein technischer Transfer: Der Scan überträgt einen Teil der Aura des Gegenstands und wird selbst zu etwas Neuem, zu einem digitalen Objekt zwischen historischem Original und heutiger Technik.
Technische Umsetzung
Die 3D-Welt basiert auf Three.js und wird per WebGL direkt im Browser gerendert. Damit die Modelle auch über Schulnetzwerke schnell laden, haben wir Geometrie und Texturen der Scans in Blender auf ein Minimum reduziert, ohne Materialwirkung und Gebrauchsspuren zu verlieren. Die Hotspots sind im 3D-Raum an den Objekten verankert und werden abhängig von Blickwinkel und Zoomstufe eingeblendet. Gesteuert wird per Maus, Touchpad oder Touch-Gesten, die Kamera lässt sich zusätzlich über die Pfeiltasten führen.
Das Interface ist als komponentenbasierte Vue.js-Anwendung mit Tailwind umgesetzt, mit besonderem Augenmerk auf Barrierearmut, Responsivität und Performance. Alle Hinweise und Quellentexte stehen zusätzlich als Voice Over zur Verfügung, eine eigens komponierte Klangkulisse von Dirk P. Haubrich begleitet die Erkundung. Im Backend arbeitet das Content-Management-Framework ProcessWire auf Basis von PHP 8 und MariaDB. Über ein Baukastensystem aus Modulen und Seitentypen legt das Bildungsteam der Arolsen Archives eigenständig neue Objekte, Hotspots, Fragen und Graphic Novels an. So wächst das Modul mit jedem weiteren Schulprojekt.
Partizipativ entstanden
Die Graphic Novels wurden von Schülerinnen aus Bremen, Hamburg und Gelnhausen gemeinsam mit verschiedenen Künstlerinnen entwickelt. Unsere Aufgabe war es, diese sehr unterschiedlichen Bildwelten in einem Interface zusammenzuführen, das den Geschichten Raum lässt. Das Konzept entstand in engem Austausch mit dem Bildungsteam der Arolsen Archives; schon in der Entwicklungsphase haben Schüler*innen den Prototyp getestet.